Endlich neuen Mut zum Schreiben gefunden :D >> Fire inside <<

„Verdammt“, fluchend riss  ich den kleinen, gelben Notizzettel von der Mappe die vor mir lag.

>>Dieser Artikel muss bis morgen Vormittag überarbeitet sein<<

Ich konnte es nicht fassen, schon wieder eine Nacht im Büro, dieser Mistkerl von Chef konnte einem ganz schön auf die Nerven gehen. Und das, obwohl ihn noch keiner von meiner Etage  zu Gesicht bekommen hatte, es hieß er will sich im Hintergrund aufhalten, nur die oberste Etage, des Modemagazins wusste wer er wirklich war.

Und da ich es ja noch nicht bis nach oben geschafft hatte konnte  ich mir nur denken wie dieses arrogante Arschloch aussah. Nach einem tiefen Atemzug machte ich mich doch noch an die Arbeit und tippte Wort für Wort des Artikels neu. Meine Mutter hatte wohl nicht unrecht als sie meinte, dass das nicht der richtige Job für mich sei, immerhin habe ich Journalismus studiert und nun saß ich in einem viel zu kleinen Büro und schrieb über knallig bunte Jeans anstatt mir Gedanken über Umweltkatastrophen oder die Affären unserer Politiker zu machen. Der Gedanke an meine Mädels, die Cocktails schlürfend in einer Bar saßen und auf der Jagd nach neuen Männern waren, während ich hier an meinen Bürostuhl festgenagelt war, entlockte mir einen zutiefst deprimierten Seufzer.

>> Lucia Shearwell du wirst nun verdammt noch mal nicht an Sex denken, sondern deine Arbeit machen! <<

Wie gut, dass mich mein Verstand  doch hin und wieder zwang mich selbst zu ermahnen. Weiß Gott was mir sonst noch für Gedanken durch den Kopf geschwirrt wären..

Zwei Stunden und etliche, über Mode bedruckte Seiten später, stand ich endlich vor dem Kopierer am anderen Ende unserer riesigen Büroräume und sah zu wie mein überarbeitetes Werk verfünffacht aus der Maschine gespuckt wurde.

Meine miese Laune wurde nicht gerade besser als ich einen Blick auf die schwarz umrandete Wanduhr warf, wie ich meine besten Freundinnen kannte lag nun schon jede von ihnen mit einem hinreißenden Kerl  in einem fremden Bett, auf einem  Sofa oder auf einem Küchentisch, um sich wie so oft den Stress von der Arbeit aus dem Hirn vögeln zu lassen.

Um mich meinem Frust wenigstens ein wenig zu entziehen, lies ich dem Drucker seine Arbeit machen und stolzierte, mit einer Packung Zigaretten in der Hand, in Richtung Pausenraum. Das einzige was mich jetzt noch bei Laune halten konnte, war ein Becher brühend heißer Kaffee und kühler Rauch, der erste durch meine Lunge ziehen wird um sich dann wieder mit der kühlen Londoner Nachtluft zu vereinen.

Den heißen Becher, vollgefüllt mit der köstlichen Brühe, in der einen und der glühenden Zigarette in der anderen Hand, betrachtete ich die vielen Lichter der Stadt. Die riesige Dachterrasse, des Gebäudes in dem ich nun schon fast ein halbes Jahr arbeitete, war wohl das einzige was ich daran wirklich liebte.  Wie immer stand ich am Rande des, mit Kieselsteinen ausgelegtem Daches und genoss das Gefühl allein zu sein.

Ein dumpfes Räuspern riss mich aus meinen Gedanken und ich drehte mich augenblicklich um. Vor mir stand ein gut gebauter Mann, dessen Lächeln selbst eine ausgebrannte Glühlampe wieder zum Leuchten bringen konnte.

„Na, schon fertig mit der Nachtschicht?“, sein unverschämtes Grinsen, bei dieser Frage, lies meine Wut wieder aufkommen.

„Nein, noch nicht“, antwortete ich, und mein Frust über die Tatsache das ich noch eine Weile im Büro verbringen musste, war unüberhörbar.

Ohne daran zu denken, sein fünfhundert Watt strahlen, abzulegen streckte er mir die Hand entgegen: “ Willkommen im Club, ich bin Nathan.“

Trotz meiner miesen Stimmung, schaffte dieser Kerl es tatsächlich mir ein kleines Lächeln zu entlocken: „Freut mich, ich bin Lucia.“

Zusammen starrten wir weiter auf das prachtvolle Lichtermeer hinab, das uns buchstäblich zu Füßen lag.  Ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen, spürte ich wie Nathan mich vom Kopf bis hinab zu meinen viel zu hohen Schuhen musterte. Sein Blick bohrte sich bis unter meine Haut. Erst wo ich  mir sicher war das seine Augen nicht mehr an mir klebten, sah ich ihn mir selber genauer an und nahm eine weitere Zigarette aus der Packung.

Er machte viel Sport, das merkte man an den Muskeln die sich unter dem weißen Shirt abbildeten, er wirkte jedoch nicht wie der typische Macho, ganz im Gegenteil, seine aufrechte Haltung zeigte, dass er genau wusste was er will. Die hellen, etwas langeren Haare umspielten seine markanten Gesichtszüge und liesen ihn fast jungenhaft aussehn. Wie immer wenn ich auf einen Mann traf, versuchte ich auch dieses Mal sein Alter einzuschätzen und doch konnte ich keine genaue Zahl nennen mit der ich mich zufrieden gegeben hätte.

„Ich hoffe Sie haben sich nun genug Gedanken über mich machen können, denn ich muss wieder an meine Arbeit“, mit einem schelmischen Lächeln zupfte er sein Sakko zu recht und verschwand durch die dunkle Glas Türe.

>>War das den nun so offensichtlich das ich ihn anstarrte?<<

Wütend auf mich selber lies ich die, nicht einmal fertig gerauchte Zigarette über die Brüstung fallen und ging zur gleichen Tür hinaus, zurück ins Büro.

Der Kopierer hatte in meiner kleinen Pause volle Arbeit geleistet und mir einen riesigen Stapel Papier ausgespuckt. Ein weiterer Blick auf die Uhr lies mich aufstöhnen. Gott sei Dank mussten die Unterlagen nur noch in die Präsentationsmappen sortiert und auf die jeweiligen Schreibtische gelegt werden, dann war endlich Schluss für heute.

Eine weitere Stunde später hallte dass Geräusch meiner Absätze auf dem glatten Marmorboden, durch das leere Büro. Flink legte ich die perfekt sortierten Mappen auf den Tischen ab, schnappte mir meine Tasche und stand endlich im Aufzug der mich in Richtung, kurzfristiger Freiheit beförderte.

Kühle Nachtluft und der Geruch von Abgasen schlugen mir ins Gesicht als ich endlich durch das Drehkreuz der Lobby ging. Instinktiv zog ich den Kragen von meinem, knall roten Trenchcoat, dicht an meine Schläfen und steckte mir eine weitere Zigarette an.

„Sie sollten sich das abgewöhnen, wäre doch schade wenn ihre zarte Haut einmal grau und schrumpelig wird.“, der Klang dieser Stimme war unverwechselbar und lies mich aufsehen.

Genauso wie vorhin auf der Terrasse, stand Nathan einfach so vor mir, lässig mit den Händen in den Taschen der locker, an der Hüfte sitzenden Jeans.

„So schnell sieht man sich wieder, ihre Nachtschicht hat wohl auch länger gedauert“, mit einem frechen Grinsen zog ich provokant an der Zigarette in meiner Hand und ging weiter.

Ohne mich auch nur zu fragen ob er mich begleiten darf, folgte er mir und schon nach kurzer Zeit hatten wir das gleiche Schritttempo.

„Mir ist es lieber ich arbeite nachts wo mich keiner stört, als mir am Tag das Gesülze der Frauen hier anhören zu müssen“, seine Schritte glichen sich immer noch den meinen an, so als wäre es selbstverständlich einer Frau, die man noch nicht einmal kennt hinter her zu laufen.

„Ah, sie gehören also nicht zu den männlichen Büro Schlampen, die sich mit den weiblichen über den Rest der Belegschaft das Maul zerreißen und dabei Kaffee trinken als wäre es ein Glas Wasser?“, ich versuchte genauso wie er, ein wahres Pokerface zu bewahren und lies die Frage übertrieben ernst klingen.

Meine Bemühungen waren wohl umsonst, den bei dem Wort Büro Schlampen fing er lauthals an zu lachen und ludt mich, anstatt meine Frage genauso ernst zu beantworten wie ich sie gestellt hatte, auf einen Absacker in eine Bar ein. Normalerweise hätte ich eine Einladung von einem mir eigentlich fremden Mann dankend abgelehnt, aber was schlimmeres als Überstunden an einem Freitag Abend machen zu müssen konnte mir wohl nicht mehr passieren.

Schließlich öffnete er mir wie ein echter Gentleman, die Tür zu einer angesagten Bar und betrat nach mir das Lokal. Noch bevor ich aus meiner Jacke schlüpfen wollte, spürte ich seine Hände auf meinem Rücken die mir den Mantel von den Schulten streiften. Um mich aus der für mich, viel zu nahen Situation zu flüchten, bat ich ihn schon einmal einen Platz für uns zu suchen, während ich die Toilette aufsuchte.

Ein paar Minuten später stand ich auch wieder mit einer frisch gepuderten Nase in dem Lokal, nachdem ich meinen Blick kurz suchend durch den violett beleuchteten Raum schweifen lies, ging ich auch schon selbstbewusst auf ihn zu.  Ich war überrascht als er einen Mojito vor mich hinstellte während ich es mir in den bequemen Lounge Sessel gemütlich machte, denn ich hätte genau das Selbe bestellt.

„Ich hoffe ich habe nicht zu voreilig bestellt,“ sein fünfhundert Watt Lächeln war sichtlich ansteckend, denn selbst der, vorhin noch etwas mürrisch wirkende Barkeeper, strahlte mittlerweile, während er die Theke reinigte.

Um ihm meine Überraschung nicht gleich Preis zu geben, schüttelte ich nur den Kopf und nippte an meinem Glas.

Er konnte es nicht leiden wenn ein Gesprächsanfang ins Nichts verläuft und wagte einen neuen Versuch die Situation etwas auf zu lockern.

„Also Lucia, wie kommts das Sie an einem Freitagabend im Büro fest hängen?“, seine Hartnäckigkeit amüsierte mich und nach einer kurzen Erklärung meiner Arbeit, sprudelten die Wörter nur so aus mir heraus. Wir unterhielten uns den ganzen Abend lang während ein Trink nach dem anderen meine Stimmung deutlich verbesserte.  Es kam  mir vor als würde ich Nathan schon mein halbes Leben lang kennen und das obwohl wir uns erst vor ein paar Stunden getroffen hatten..

Schließlich, gab uns der immer noch lächelnde Barkeeper, den letzten Drink aus. Wie schon beim betreten des Lokals war Nathan ganz der Gentleman und half mir in meinen Mantel bevor er mir die Tür öffnete und wir ins Freie stolperten.

Es kam mir vor wie eine halbe Ewigkeit bis wir uns endlich voneinander verabschiedeten, ein bestimmter und doch sanfter Händedruck und ein zarter Kuss auf meine rechte Wange und schon verschwand er im dichten Nebel. Verblüfft über den schnellen Abgang, machte auch ich mich auf den Weg zu meinem Appartement, das nur zwei Ecken weiter entfernt war.

Ich konnte es nicht fassen dass ich mir die halbe Nacht mit einem fremden Kerl um die Ohren schlug ohne mit ihm im Bett zu landen.  Bis jetzt hatten  solche Abende immer das gleiche Ende, ich vögelte meiner Bekanntschaft das Hirn weg und verschwand am nächsten Morgen, noch bevor der Typ aufwachte und mir vielleicht noch Kaffee ans Bett bringen wollte.

Aber Nathan war in diesem Fall eine echte Ausnahme, es schien so als hätte er nicht einmal den  Gedanken gehabt mich splitternackt auf sich zu haben.

Mit dem Gedanken daran, dass er mich vielleicht nicht einmal annähernd anziehend fand, fiel ich schließlich, nachdem ich die Tür zu meinem Appartement aufschloss, hundemüde ins Bett.

Das Brummen meines Handys und die Kopfschmerzen, die ich wohl als Folge des letzten Abends sehen konnte, weckten mich. Gähnend suchte ich meinen Nachttisch nach dem Telefon ab um der Störung ein Ende zu setzen. Ein Blick auf das Display genügte um mich augenblicklich hellwach zu machen. Der letzte Abend hatte mich völlig vergessen lassen das ich mit Amelie zum Brunch verabredet war. Eilig kramte ich ein paar bequeme Klamotten aus meinem Schrank und ging ins Badezimmer.

Das heiße, auf mich herab prasselnde Wasser, verlieh meinem Kopf wieder Klarheit und erweckte meine müden Knochen wieder zum Leben. Schon nach kurzer Zeit machte ich mich auch schon auf den Weg in das Lokal in dem ich mit einer meiner besten Freundin verabredet war.

Amelie und ich waren schon befreundet seitdem ich denken konnte. Wir waren immer unzertrennlich und waren  es selbst im Job noch. Sie arbeitete wie ich beim selben Modemagazin, jedoch saß sie im Gegenteil zu mir, in der obersten Etage, bei den Geschäftsführern so zu sagen. Sie hatte hart für diesen Job gearbeitet auch wenn viele, wenn sie vor einem stand, dachten sie hätte die Stelle nur wegen ihrem guten Aussehen bekommen. Sie wäre schließlich genauso gut als Model für das Magazin durchgegangen. Sie war schlank, hatte lange brünette Haare und ein Gesicht, so perfekt wie eine aus Porzellan, handgefertigte Puppe, ohne Macken. Kurz gesagt sie war eine der Frauen, dessen Auftreten, jedem ein „Wow“ entlockte. Mir fiel erst jetzt auf wie nachsichtig ich mit meinem Styling war, die langen schwarzen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden, das Make up dezent und die Klamotten, nicht wie bei der Arbeit kurz und knapp, sondern locker und bequem.

Vor dem Treffpunkt angekommen, zupfte ich noch einmal meine azur blaue Bluse zu recht bevor ich de Türe öffnete. Wie immer war Amelie nicht zu übersehen und stach förmlich aus der Masse hervor, ihr Lächeln erinnerte mich wieder an Nathan und sein strahlendes Gesicht. Mit einem automatischen Lächeln auf den Lippen ging ich auf den bereits gedeckten Tisch zu und setzte mich nachdem ich Amelie zwei Küsschen auf die Wange gab.

„Süße, da bist du ja endlich, ich dachte schon du hättest mich vergessen“, ihrer guten Laune nach zu urteilen, hatte sie die letzte Nacht tatsächlich nicht alleine verbracht.

„Ach was, ich war nur fix und fertig von der Nachtschicht gestern und habe fast verschlafen, mehr nicht“, das ich mir die Nacht mit einem Fremden um die Ohren geschlagen hatte, musste sie ja nicht gleich wissen. Sie hätte mich nur wieder mit Fragen überhäuft die ich wahrscheinlich nicht einmal richtig beantworten hätte können, da ich ja so gut wie nichts über Nathan wusste. Nachdem ich Amelie ja schon vorher angesehen hatte, dass sie schon fast platzte vor Neuigkeiten, lies ich mir die restliche Zeit von unserem Brunch erzählen wie der vorige Abend für sie verlief.  Es überraschte mich nicht dass ihre Geschichte damit endete dass sie und der Typ den sie sich geangelt hatte, in einen ohrenbetäubenden Orgasmus fielen und sie, wie ich auch immer, noch vor dem Morgengrauen wieder aus seinem Bett verschwand. Man könnte schon fast meinen wir seien ein Haufen, Männer verschlingender Vamps die nur darauf warten dass uns ein Kerl ins Netz ging.

fortsetzung folgt

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